„Wenn die Leute sponsern, dann meistens beim FCK“
von Maria Huber19.07.2026 6 Min. Lesezeit

Knifflige Aufgaben wartet auf die TSG Kaiserslautern nach dem Aufstieg der Tischtennisherren in die Zweite Liga. Abteilungsleiter Helmut Schneider gibt Einblicke.
Was ist alles an Aufgaben auf Sie zugekommen, seit Sie wissen, dass die Tischtennisherren aufsteigen?
Eine ganze, ganze Menge. Erst mal die Sache mit den Spielern. Gut, das war nicht mein Job. Das war Sache von Bijan (Anm. d. Red.: Kalhorifar, der Teammanager der TSG). Auf mich kommen die organisatorischen Dinge zu: Beim Präsidium einen neuen Hallenboden beantragen, versuchen, dass wir eventuell klapp- und fahrbare Tribünen bekommen. Neue Sponsoren müssen gesucht werden, professionelle Eintrittskarten müssen gedruckt werden. Wir müssen unsere Bewirtung noch etwas professioneller machen. Die Kosten für Spieler mit Flug- und Reisekosten und Internatskosten werden höher. Das ist alles keine leichte Aufgabe. Und neue Sponsoren zu suchen, ist immens schwierig. Da muss man die Leute und die Firmen kennen. Fünf kleinere haben wir jetzt dazubekommen und als größeren Sponsor Lotto Rheinland-Pfalz.
Was sind die größten Kostenfaktoren, die neu dazukommen?
Der größte Kostenfaktor sind nach wie vor die Spieler. Dann kommen die Fahrtkosten dazu. Da bin ich gerade dabei, Sponsoren abzuklappern, ob sie uns zu den Auswärtsfahrten kostenlos einen Neunsitzer zur Verfügung stellen können. Von vielen Firmen bekommt man nicht einmal eine Rückantwort. Es ist schwer. Wenn die Leute sponsern, dann meistens beim FCK. Ansonsten läuft viel über Beziehungen. Härting sponsert uns die Würstchen, liefert uns das Material.
Was gibt es an neuen Regelungen, die die Zweite von der Dritten Liga unterscheiden? Und warum brauchen Sie einen neuen Bodenbelag?
Das Problem ist das Riemchenparkett. Da sind in der letzten Saison mitten in einem Spiel Riemchen rausgebrochen. Wir haben dann aus einem anderen Stück welche rausgeholt und reingehämmert. Zum Glück war der Gegner einverstanden. Sonst wären wir Gefahr gelaufen, dass das Spiel abgebrochen worden wäre. Wir haben dann gesagt, bevor die Halle1 der TSG komplett saniert werden muss – die Barbarossahalle war kein Thema – suchen wir eine andere Lösung.
Warum war die Barbarossahalle kein Thema?
Es ist eine städtische Halle und es ist nicht klar, ob wir sie zu allen Spielen bekommen. Man kann dort nicht trainieren. Die Tribünen sind weit oben. Und wir müssten das ganze Equipment rüberbringen. Der Hallenboden für die Halle 1 kostet etwa 7000 Euro, teils gebraucht, teils neu. Er muss aber jedes Mal vor den Spielen ausgerollt werden.
Was für ein Belag ist das?
Ein dicker Schaumstoffbelag. Es ist aber natürlich auch ein Aufwand, den zu jedem Spiel aus- und wieder zusammenzurollen. Wir müssen Stauraum finden und ich hoffe, dass wir den kriegen. Ich hoffe, dass uns das Präsidium mit dem neuen Präsidenten da unter die Arme greift.
Wie viele Zuschauer dürfen rein?
Wir sind gerade dabei, die Voraussetzungen zu schaffen, dass wir 300 bis 400 reinkriegen. Es gibt da eine Teleskoptribüne, die man rollen und auseinanderschieben kann. Die wollen wir an das Kopfende stellen. Das sind dann drei Reihen übereinander.
Die kann dann in der Halle bleiben?
Ja, vielleicht an der Längsseite. Aber wir müssen auch aufpassen, weil da auch die Handballer trainieren. Da muss man unter Umständen noch Matten davormachen. Und langsam drängt die Zeit. Es ist alles ein riesiger logistischer Aufwand. Ich werde jetzt auch Leute aus anderen Abteilungen ansprechen und ein Helferteam zusammenstellen, das beim Hallenaufbau hilft. Das können Bijan und ich nicht auch noch machen (lacht).
Und die Spieler auch nicht.
Die haben ja letztes Jahr fast alles selbst gemacht. Das wollen wir dieses Jahr in gewisser Weise schon beibehalten. Aber sie können nicht alles allein machen.
Mit wie vielen Zuschauern rechnen Sie?
Am Anfang werden es schon so 300 bis 400 sein. Dann hängt das ein bisschen davon ab, wie es läuft. Unser Primärziel ist es, nicht abzusteigen. Die Liga ist bärenstark. Bijan hat gesagt, es ist die fünftstärkste Liga in Europa. Und in allen Mannschaften sind Riesenspieler drin. Es wird nicht einfach, aber wir tun unser Bestes.
Brauchen Sie andere Tische?
Im Prinzip nicht. Aber, das ist jetzt Teil der Verhandlungen, wir versuchen so genannte Courttische zu bekommen, die unten abgeschrägt sind und an denen wir Werbung befestigen können. Sowas hätten wir gern. Mein Wunschzettel war groß. Was wir davon bekommen, weiß ich noch nicht.
Was steht noch drauf?
Die Courttische, die Ausrüstung, nicht wie bisher alle zwei, sondern jedes Jahr zu erneuern, die Bälle, eine neue Bande – unsere hängt zum Teil durch. Es gibt schon einiges.
Wie sieht’s mit den Fahrtkosten aus?
Die unterscheiden sich gar nicht so sehr. Hohenstein-Ernstthal ist dabei, da haben wir letztes Jahr gegen die Zweite gespielt. Das und Passau, das sind die weitesten Fahrten. Sonst geht es: Köln, Mainz ... Jülich ist die Obergrenze. Aus dem Norden ist keine Mannschaft dabei. Im Schnitt sind es 300 Kilometer bis auf die zwei Ausreißer. Saarbrücken und Mainz sind ja ein Klacks.
Jetzt das Spannendste: Wie sieht es personell aus.
Wir haben das weiterverfolgt, was wir die letzten Jahre angefangen haben: Wir setzen auf junge, motivierte internationale Nachwuchskräfte. Es gibt drei neue: den Hongkong-Chinesen Jiu Kwan-To, den Inder Dirjvash Srivastava und den Deutschen Kirill Fadeev. Der hat in Mainz in der Zweiten Liga vorne gespielt, wird bei uns im hinteren Paarkreuz spielen. Srivastava und Kwan-To werden sich vorne abwechseln. Es darf ja immer nur ein Nicht-EU-Ausländer spielen. Xi Wang bleibt auf jeden Fall die Nummer eins.
Wie ist die TSG Kaiserslautern an die Spieler gekommen?
Der Inder hat in Grünwettersbach gespielt. Wir haben zu Grünwettersbach gute Beziehungen. Er hat im letzten Jahr in der Dritten Liga vorne gespielt. Er spielt sehr unangenehm, ist in der Top Ten in Indien, 21 Jahre alt, und Indien ist eine aufstrebende Tischtennismacht. Die Spieler dort wollen gern international, wollen in Deutschland spielen, möchten sich dort beweisen. Kwan-To, der Hongkong-Chinese, wurde uns von Bundestrainer Jörg Roßkopf ans Herz gelegt. Er ist Nummer vier in Hongkong, hat oft bei den Weltmeisterschaften mitgespielt. Ist auch 21 Jahre alt, in den Top 200 der Weltrangliste. Er ist eine ziemliche Granate.
Wie wird er hier integriert?
Er wird in Grünwettersbach bei Karlsruhe trainieren und auch dort wohnen im Tischtenniszentrum mit angegliedertem Internat. Kirill Fadeev ist 25, hat letztes Jahr in Waldniel in der Regionalliga gespielt, hat jetzt aber offensichtlich wieder Lust, richtig anzugreifen. Er war mit Torben Wosik letztes Jahr im Doppel Dritter bei der deutschen Meisterschaft.
Also kennen sich Torben Wosik und Kirill Fadeev.
Ja, sie kennen sich ganz gut. Luis Kraus ergänzt dann noch die Mannschaft und wird auch in der Oberligamannschaft zum Einsatz kommen, aber auch seine Spiele in der Zweiten Bundesliga bekommen. Ganz im Hinterkopf haben wir noch Faraz Shakiba, den Iraner. Er ist mittlerweile absolute Weltspitze bei der Jugend und wir hoffen, dass sich die politischen Verhältnisse stabilisieren und er endlich ein Visum bekommt.
Wie lang hat die TSG versucht, aufzusteigen?
Sechs, sieben Jahre. Wir sind immer knapp gescheitert, oft durch eigenes Unvermögen. Weil zum Beispiel unser Spitzenspieler Guilherme Teodoro aus Brasilien zu den Spitzenspielen nie da war, weil er für Brasilien international unterwegs war. Das ist die Gefahr. Die Brasilianer interessiert nicht, ob die TSG ein Spitzenspiel hat.
Wen schätzen Sie in der Liga als extrem stark ein?
Es haben sich viele Mannschaften verstärkt. Hohenstein-Ernstthal dürfte mit vorne dabei sein. Gegen die haben wir gleich das erste Spiel. Der TSV Windsbach als letztjähriger Meister, der 1. FC Köln und Velbert haben sich gewaltig verstärkt und zählen mit zu den Favoriten. Beim FC Saarbrücken II kommt es darauf an, in welcher Aufstellung er spielt. Wir haben attraktive Spieler, es wird attraktive Spiele geben. Was dann ergebnismäßig rauskommt, da harren wir der Dinge, die da kommen.
QuelleDie Rheinpfalz vom 03.07.2026


